Sie sind auf alles programmiert, was wir wollen, wird ausgeführt, und warum sie einen sehr guten Grund haben, zu den Klängen von Kraftwerk und Timbuk 3 auch noch mechanik zu tanzen, verrät uns Ronald Amesmann-Haselbacher, der Autor dieser Zeilen...

 Robo Bier

ANGELUS NOVUS

Als der Autor dieser Zeilen in etwa so alt wie war ein Schulkind aus der P2, konnte er während der Blütezeit der Regentschaft des Sonnenkönigs Bruno Kreisky als etwas pummeliger, ein wenig nerdiger, aber umso eingefleischterer Science Fiction-Fanboy voller Optimismus in eine strahlende Zukunft blicken: Die in Frieden geeinte Menschheit erforschte und erkundete in gigantischen Raumschiffen das Universum, brachte Humanismus und Montessori-Pädagogik in die entferntesten Winkel der Galaxis und profitierte vom Wissen, der Technologie und der Weisheit fremder Sternenvölker, um ohne Umweltverschmutzung, Hunger und Regelschule auf einer paradiesischen Erde glücklich, gesund und zufrieden nahezu unsterblich in ewiger Jugend zu leben.

Die Jahre zogen ins Land, und dem Autor dieser Zeilen kamen langsam leichte Zweifel an jenen wunderbaren Versprechungen und vor allem an deren fragwürdigen Terminen: Keine bemannte Mission zum Jupiter hatte im Jahre 2001 auf einer Weltraum-Odyssee einen außerirdischen Monolithen dort entdeckt, Marty McFly flog nicht mit einem DeLorean als Zeitmaschine zurück in die Zukunft, um mit einem Hoverboard im Oktober 2015 durch Hill Valley zu sausen, und auch von den übermenschlichen Replikanten, die im verregneten November in Los Angeles anno 2019 von Blade Runnern aus dem Verkehr gezogen werden sollten, war bis dato herzlich wenig zu sehen gewesen.

Doch auch tatsächlich wahr gewordene Prophezeiungen ließen schmerzhaft den Charme und den Glamour ihrer fantastischen Vorlagen vermissen:  Leicht entzündbare Raumfähren und klapprige Orbitalstationen in niedriger Erdumlaufbahn sind ein schwacher Ersatz für die Erforschung fremder Welten in pipifein chromblitzenden Raumgleitern, digitale Kommunikationswerkzeuge dienen nicht Lehre und Forschung, sondern lediglich dem Abladen rechtspopulistischen Sondermülls  und der Verbreitung leicht dümmlicher Verschwörungstheorien samt schwer intelligenzbefreitem Geschwurbel der Pandemieleugner, und selbst ein globales Computernetzwerk wird weniger für den Austausch von Information und Wissen als für das Anschauen von Katzenvideos sonder Zahl genutzt.

Und vor allem: Wo blieben die Roboter? Wo waren C-3PO, R2-D2, BB-8, K-2SO, L3-37, D-O, IG-88 und IG-11, WALL-E, Robocop, CHAPPiE, Ultron und Vision, MechaGodzilla, Nummer 5, Marvin, V.I.N.CENT. L.F.396 und Maximilian, Gort, die Terminatoren, Motoko Kusanagi, Data und Lore, Lal und B-4, Brainiac, die guten und die bösen Roboter-Wirs, Dotty Matrix, Astro Boy, Maria und Futura, Ash und Bishop, David und Walter, die Sentinels, Optimus Prime und Mega- bzw. Galvatron, Rosie, Twiki, Robby, Baymax, Doraemon und all die anderen?

Traurig, aber wahr: In der Realität mähen sie nur unseren Rasen, saugen unseren Staub, erledigen eintönige Industriearbeiten und erkunden gefährliches Terrain, richtig präsent sind sie aber nur als Kinderspielzeug und als Zitat in einem der bekanntesten Lieder von KRAFTWERK.

Trotzdem und genau deswegen soll an dieser Stelle ihr Geburtstag gebührend und mit allen Ehren gefeiert werden, denn vor exakt genau einhundert Jahren feierte das Theaterstück „R.U.R“ des tschechischen Autors Karel Čapek am 25. Jänner 1921 Premiere. Hinter dieser Abkürzung verbirgt sich ausgeschrieben „Rossum’s Universal Robots“, und damit die erste literaturhistorisch und popkulturell verbriefte Erwähnung des Wortes „Roboter“, und kann es ein Zufall sein, dass nur einen Tag vor dem Geburtstag der allgemein despektierlich als „Blechbüchsen“ bezeichneten sinnreichen und nützlichen Automaten der BEER CAN APPRECIATION DAY, also der Ehrentag der Bierdose gefeiert wird? Wohl kaum, wohl kaum, und wer diesen Zusammenhang leugnet, kann wohl nur von elektrischen Schafen anstelle heißer Eislutscher träumen.

In diesem Sinne: Alles Gute zum Geburtstag und Prost! Auf die Zukunft!

Illustration: Lili Haselbacher


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